Unsere ersten Schützlinge

Während der Massentourismus im Süden von Bali das tägliche Leben bestimmt und zahlreiche neue Arbeitsplätze für die Bevölkerung geschaffen hat, leidet die Küste und das Bergland im Norden der Insel zunehmend unter den Folgen dieser Entwicklung. Die Preise für Lebensmittel, Energie und Mieten sind drastisch gestiegen, das Einkommen ist aber mit rd. 75 € Monatslohn (bei 60-70 Stunden Wochenarbeitszeit) seit Jahren gleich geblieben. Direkte Folge dieser Entwicklung sind an den Stränden Balis zu beobachten: Kinder, die schon morgens versuchen, Halsketten und Armreifen aus Muscheln und Holzperlen an Touristen zu verkaufen, statt die Schule zu besuchen.
Susan und Gede 20032 dieser Kinder sind Susan und Gede. Beide würden gerne zur Schule gehen, allerdings haben ihre Eltern nicht genügend Geld, um einen Schulbesuch zu finanzieren. Also helfen beide, das Familieneinkommen aufzubessern. Perspektiven für die eigene Zukunft ergeben sich daraus nicht, ohne Schulabschluss gibt es keine Arbeit, warten lediglich Hilfsarbeiterjobs und frühe Heirat.

Luh Susani, die Susan genannt wird, ist älteste von insgesamt 4 Töchtern einer armen Familie aus dem Bergdorf Kayuputih, oberhalb von Lovina. Statt zur Schule zu gehen, muss sie der Mutter bei der Hausarbeit und der Betreuung der Geschwister helfen. Oft läuft sie mehrere Kilometer hinab nach Lovina und versucht über den Verkauf von Muschelketten Geld für den Besuch der Schule zu verdienen. Die Ketten erhält sie von einem Ladenbesitzer in Kommission, je nach Verhandlungsgeschick und Wohlwollen der Kunden liegt ihr Profit zwischen 20 Cent und 1 €, nicht genug, um die Mittel- oder Oberstufe einer weiterführenden Schule besuchen zu können.

Gede, auch Khokho genannt, ist Ältester von 3 Geschwistern. Sein Vater ist schwer herzkrank und kann nicht mehr arbeiten. Da es keine Sozialversicherung in Indonesien gibt, versucht die Mutter, durch den Verkauf von bedruckten Tüchern (Sarongs) den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. Gede hilft ihr dabei durch den Verkauf von Muschelketten; der Besuch einer weiterführenden Schule rückt dadurch in weite Ferne, weil dafür Mindestvoraussetzungen an schulischen Leistungen erforderlich wären.

Die Familien von Susan und Gede werden von uns seit 2003 finanziell unterstützt, um den Schulbesuch zu ermöglichen. Das Stipendium läuft 7 Jahre und beinhaltet die Kosten, die für den Besuch der Mittelstufe (Junior Highschool/SMP), einer Fachoberschule (Senior Highschool SMK) und einem 1jährigem fachbezogenen Berufskolleg verbunden sind, u.a. für Schuluniform, Schuhe, Sportbekleidung, Bücher und Lernmaterial, Fahrtkosten und Verpflegung sowie Praktikums- und Unterbringungskosten in einer Studentenwohnung.